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Kölle ist bunt
Quasi immer schon
Kölschsprachiger Pop
„Es war einfach an der Zeit für einen Song für Köln.“
Mehr als 100 Songs hat Lilli schon geschrieben. 100 Songs! Dabei ist sie gerade erst 18 Jahre alt geworden. Sowas schafft man nur, wenn man – wie Lilli – schon in der 1. Klasse damit anfängt. Erst jetzt aber, fand sie, sei es einfach an der Zeit gewesen. Zeit für einen Song für Köln – mit der Betonung auf „für“. Der Wettbewerb, den die GAG alle zwei Jahre ausschreibt, heißt ja schließlich „Euer Song für Köln“ und nicht „Euer Song gegen Köln“.
Gesang
ein eigens fürs Finale zusammengestellter Mehrgenerationenchor
Es ist nicht so, dass Lilli noch nie einen Song über Köln geschrieben hätte. Einer heißt zum Beispiel „Fremde Gassen“, er ist auf Hochdeutsch, und er handelt von Dingen, die Lilli manchmal traurig machen, wenn sie durch die Straßen läuft, und manchmal froh. Von dieser seltsamen Doppeldeutigkeit, dass man also seine Stadt gleichzeitig lieben und hassen kann, dass man daran leiden und doch wunderbar darin leben kann, und dass genau diese Ambivalenz einen Ort erst zur Heimat macht. Denn die Tatsache, dass man sich irgendwo zuhause fühlt, heißt ja nicht, dass man dort alles gut finden muss.
So oder so: „Fremde Gassen“ ist ein Song, der nicht unbedingt die totale Leichtigkeit verströmt. Sie singt ihn üblicherweise nicht als Lilli, sondern wenn sie als ihr Künstler-Ich „Evia“ auftritt, das sich besonders intensiv, ja tiefschürfend mit Themen auseinandersetzt. Für einen Wettbewerb wie „Euer Song für Köln“ schwebte Lilli was anderes vor: „Wenn man einen Song für Köln schreibt, will man was Positives schreiben. Das hab‘ ich schon 2023 gedacht, als es zum letzten Mal Euer Song für Köln gab. Es stand für mich einfach mal an, meiner Stadt einen Song zu widmen, der ihre schönen Seiten besingt. Aber es hat ein bisschen gedauert, bis mir was eingefallen ist.“
Eines Nachts, so gegen 2 Uhr - Lilli war gerade leicht beschwingt heimgekommen von einem entspannten Kölsch mit einem Kumpel - war es dann soweit: Der Song für Köln, er stellte sich ein. „Ich hab‘ kurz überlegt, ob ich die Idee jetzt wirklich festhalten soll oder doch lieber schlafen, und bin dann so bis 5, 6 Uhr am Klavier gesessen und hab‘ den Song geschrieben.“
Das Werk ist Lillis erstes Lied op astreinem Kölsch und heißt „Kölle ist bunt“. Wer, wenn nicht Düsseldorfer, wollte da ernsthaft widersprechen? Er handelt von den schönsten Orten der Stadt, von den Kölnerinnen und Kölnern, die alle im positiven Sinn „einen Schuss“ haben, und – für Lilli die zentrale Aussage – einen Zusammenhalt pflegen, den es so nicht in jeder x-beliebigen Großstadt gibt. Und so ist es auch kein Wunder, dass die sonst so gestrenge Jury dieses federleichte Stückchen Popmusik ins Finale durchgewunken hat.
Man merkt, dass Lilli nicht nur weiß, wovon sie singt, sondern dass sie es auch fühlt: Sie es ein echtes Düxer Mädcher, wohnt immer noch dort und wird das auch nach dem gerade bestandenen Abitur noch eine Weile tun. Sie will an der Uni Köln Musikwissenschaft studieren, nebenbei weiter im Jugendchor St. Stephan singen und den Chor der Kinderuni auf dem Klavier begleiten – und mit ihrer Band proben, der außer ihr ein Über-60-jähriger Schlagzeuger und ein Rund-50-jähriger Metal-Gitarrist angehören. Und in ein, zwei, drei Semestern will Lilli möglichst auf eine der wenigen infrage kommenden Popakademie wechseln, die sich leider allesamt nicht in Köln, sondern an Orten wie Mannheim, Tilburg oder gar Chengdu befinden.
Lilli hat keine Angst davor, Köln auch mal eine Weile den Rücken zu kehren. Das gehört dazu, wenn man – wie sie – ernsthaft den Plan hat, Musikerin zu werden. Von ihren bisherigen Reisen in fremde Länder und Städte hat sie nämlich schon eine wichtige Erkenntnis mitgebracht: „Man lernt woanders besonders zu schätzen, was man an Köln hat.“ Isso!
